Baby und Kleinkind

So hilfst du deinem Kind, angstfrei seine Umgebung zu erkunden

Oder: Warum dein Kind Angst und Schmerz nicht von dir lernen sollte

Unsere Tochter ist ziemlich hart im Nehmen. Schon bevor sie sitzen konnte, hatte sie es irgendwie raus, so zu fallen, dass ihr Kopf nicht den Boden berührt. Das Laufen lief bei ihr lange ziemlich wackelig, und obwohl sie ständig dabei umfiel, machte es ihr nicht viel aus und sie setzte ihre Laufübungen mutig fort. Wenn sie heute aber doch mal hinfällt oder sich anders wehtut, kommt es ziemlich selten vor, dass deshalb bei ihr Tränen fließen. Stattdessen versucht sie es weiter. Woran liegt das?

Mein Mann und ich haben uns vorgenommen, dass wir unserer Tochter nicht beibringen wollen, aufgrund unseres Erschreckens und unserer Übervorsicht zu weinen. Das bedeutet, sie darf (und soll!) gerne weinen, wenn sie selbst das Bedürfnis dazu hat (und das kommt natürlich auch immer mal wieder vor) – aber nicht, weil sie in Mamas oder Papas erschrockenes Gesicht blickt, nachdem sie sich ein bisschen gestoßen hat.



„Huch!“, wenn das Kind fällt

Kennst du das? Viele Mamas, Tanten, Verwandten oder Freunde in unserem Bekanntenkreis reagieren mit einem lauten „Huch“ und einem entsetzlichen Schreckausdruck im Gesicht, wenn ein Kind mal leicht hinfällt. Da ist es schon vorgekommen, dass unsere sonst so entspannte Tochter in Situationen, die ihr vorher ziemlich egal gewesen wären, angesichts des panischen Erwachsenengesichts angefangen hat zu weinen. So sollte das aus unserer Sicht nicht sein!

Pinterest Angstfreie Erziehung

Wenn Babys und Kleinkinder laufen lernen, bleibt es nicht aus, dass sie auch mal hinfallen und sich eine Beule holen (an das erste blaue Auge meiner Tochter musste ich mich auch gewöhnen!). Ein Kind darf natürlich gerne weinen und sollte es auch, wenn ihm etwas sehr weh tut oder es sich erschreckt. Nur soll dieser Schreck aus der Situation selbst kommen und nicht aus der Interpretation und Reaktion der Erwachsenen. Dein Kind sollte nicht „Angst“ oder „Schmerz“ von dir lernen. Wenn dein Kind fällt, geht es schließlich nicht um dich und um deinen Schreck, sondern es geht um dein Kind.

(Es geht hier natürlich nicht darum, in gefährlichen Situationen die Gefahr zu ignorieren oder ein ungesundes Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Kindes zu haben. Nein, es ist im Gegenteil überaus wichtig, als Mama die ganze Situation im Blick zu haben und Gefahrenpotenziale schon zu erkennen, bevor das Kind sie entdeckt.)

Beobachten und dann erst reagieren

Hier ist also unser ganz simpler Praxistipp: Wenn dein Kind hinfällt oder sich in einer anderen, ähnlichen Situation befindet, beobachte erst einmal, wie es reagiert – wenn es einfach wieder aufsteht oder sich nur ein bisschen den Kopf reibt, ignoriere die Situation und bleib entspannt. Wenn dein Kind aber weint, nimm es auf den Arm und tröste es, „puste“ oder hilf ihm so, wie es in dem Moment das Beste ist. So kann dein Kind lernen, mutig die Welt zu erkunden! Bei uns hat es funktioniert. 🙂

2 Kommentare

  1. Das haben wie auch so gemacht, und machen es noch 🙂 Unsere Mädels hatten wesentlich weniger Schulstress als was wir so von anderen Eltern hörten. Wenn mal ein blauer Brief kam, dann ging die Welt nicht unter. Eher so: “der Brief ist eine Botschaft, was will er dir wohl sagen?” Und es hat wirklich geholfen, und Änderung gebracht.

    • Natalie Antworten

      Find ich super, liebe Anja! Werd ich mir merken, mal sehen, ob ich den Tipp in ein paar Jahren auch anwenden kann 🙂

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